Was passiert mit Altkleidern aus dem Container?
Wir alle haben Gutes im Sinn, wenn wir alte Kleidung aussortieren und spenden: Unsere Jeans, Shirts und Schuhe, die noch intakt sind, aber nicht mehr passen, sollen an Menschen gehen, die damit Freude haben. Wir finden: Sie sind zu schade für den Müll – also ab damit in den nächsten Spendencontainer.
Doch was passiert mit Altkleidern aus dem Container wirklich? Greenpeace hat mit GPS-Trackern nachverfolgt, wohin die gespendete Kleidung reist – mit ernüchternden Ergebnissen: Nur ein minimaler Bruchteil der Kleidung landet tatsächlich in Secondhand-Stores oder bei bedürftigen Menschen.
Quer durch die Welt auf die Mülldeponie
Im Sommer 2024 verfolgte Greenpeace 20 gespendete Kleidungsstücke mit GPS-Trackern. Die Kleidung hatten wir zuvor bei Modeketten wie H&M und Mango abgegeben oder in Sammelcontainer auf der Straße geworfen. Ihre Reise haben wir im Report „Wo Altkleider wirklich landen“ dokumentiert. Die Teile legten zusammen fast 81.000 Kilometer zurück – das entspricht zwei Erdumrundungen!
- 3 Kleidungsstücke reisten nach Asien – ein Paar Stiefel über die Rekordstrecke von 11.300 Kilometer bis nach Pakistan.
- 7 Kleidungsstücke landeten in Afrika, etwa in Tunesien, in der Elfenbeinküste und in Kamerun.
- 8 Teile blieben in Europa, vier davon in Spanien, jeweils eines in Polen, Ungarn, Deutschland und Italien.
Nur drei von 20 Kleidungsstücken wurden wahrscheinlich von Privatpersonen weitergenutzt. Zwei davon in Österreich – wo sie direkt nach dem Einwerfen aus dem Altkleider-Container entwendet wurden. Der Rest ging auf Reisen und blieb schließlich in Lagern liegen, wurde verbrannt oder landete auf Müllbergen.
Die Altkleider-Lawine überrollt Mensch und Natur
Die meisten Kleiderspenden werden in riesigen Ballen verschifft – wie Greenpeace festgestellt hat, oft in Länder des globalen Südens. Dort reißt man die Ballen auf und sortiert heraus, was sich noch verkaufen lässt. Ein Großteil landet auf gigantischen Müll-Deponien. Die Abfallsysteme in den Zielländern sind meist nicht für die unglaublichen Mengen an Müll ausgelegt:
- Bunte Polyester-Shirts treiben wie Plastikmüll durch Flüsse, weil niemand sie recyceln kann. Sie zersetzen sich nach und nach zu Mikroplastik, verseuchen das Wasser und gefährden Tiere und Menschen!
- Meterhohe Haufen alter Kleidung glühen auf offenen Müllhalden in der Sonne, bis sie verbrannt werden – schädliche Chemikalien verpesten die Luft, gleich neben Wohngebieten.
- Kinder spielen zwischen verrottenden Jeans, während giftige Farbstoffe ins Grundwasser sickern.
Die Flut an Altkleidern verschmutzt nicht nur Böden, Flüsse und Meere – sie zerstört auch lokale Märkte. Näher:innen, die früher Kleidung im eigenen Land produziert haben, können mit den billigen, importierten Secondhand-Massen nicht konkurrieren und verlieren ihre Existenzgrundlage.
Die Altkleider-Lüge der Konzerne: Kritik an H&M und Co.
Modeketten wie H&M und Mango geben vor, unserer abgegebenen Kleidung „ein zweites Leben“ zu schenken. Sie schmücken ihre Filialen mit grünen Recycling-Boxen, die den Eindruck vermitteln, die Umwelt würde ihnen am Herzen liegen. Doch ein Großteil der Altkleider aus den Boxen wird nicht wiederverwertet.
- Eine alte Boyfriend-Jeans, die uns Mode-Aktivistin Nunu Kaller überlassen hatte, gaben wir in einer Wiener H&M-Filiale ab – die Jeans reiste Tausende Kilometer bis nach Karatschi, Pakistan, und wurde dort vernichtet.
- Auch eine bei H&M gespendete schwarze Jacke landete in Karatschi – sehr wahrscheinlich wurde sie dort in einem Stahlwerk verbrannt.
- Ein bei Mango abgegebenes Hemd wurde in Deutschland zerstört.
- Ein weißer Hoodie reiste von der Mango-Sammelbox bis nach Afrika und sendete sein letztes Signal aus einem Verteilerzentrum der Elfenbeinküste.
Nur ein sehr geringer Anteil gespendeter Kleidungsstücke wird recycelt oder landet wieder in einem Kleiderschrank. Den Unternehmen geht es in erster Linie ums Image: Sie wollen mit ihren Recycling-Aktionen nur den Anschein erwecken, als würden sie etwas gegen die Textilmüllberge tun, die sie durch Überproduktion mitverschulden. Das ist gut fürs Geschäft: Wir kaufen weiter in ihren Läden ein, weil wir sie als nachhaltig empfinden.
Das nennt man Greenwashing!
In Wahrheit spülen Fast-Fashion-Unternehmen mit ihren ständig wechselnden Kollektionen weiter tonnenweise Kleidung auf den Markt. Ein Drittel aller produzierten Kleidungsstücke wird nicht einmal verkauft. Das meiste landet neuwertig im Müll.
Der Rest wird oft nur kurz getragen: Das billig produzierte T-Shirt wird entweder kaputt oder ist aufgrund der kurzlebigen Trends nicht mehr hip und wird entsorgt – oder in einer der Sammelboxen bzw. bei einem Container abgegeben.
Die Konsequenz: Die Müllberge in Afrika und Asien quellen über. So kann es nicht weitergehen!
Schluss mit dem Textilmüll-Wahnsinn
Die Greenpeace-Recherche zeigt klar: Dieses System ist außer Kontrolle. Es wird zu viel Kleider-Ramsch produziert! Der Großteil der abgegebenen Kleidung landet außerdem in Ländern des Globalen Südens, weil es in Österreich nur eine einzige vollwertige Sortieranlage und keine einzige Recyclinganlage gibt. Doch auch die Abfallsysteme der Zielländer sind mit den Altkleider-Massen überfordert. Viel zu oft landet der Müll in der Natur.
Wir brauchen jetzt verbindliche politische Maßnahmen, die den Textilmüll-Wahnsinn stoppen. Greenpeace fordert deshalb:
- Ein starkes Anti-Fast-Fashion-Gesetz, das die Überproduktion stoppt: Kleidung darf nicht mehr neuwertig direkt im Müll landen!
- Herstellerabgaben, um Sortier- und Recyclinganlagen in Österreich zu finanzieren: Die Verursacher sollen mithelfen, das Problem anzupacken!
- Verbot von Altkleiderexporten in Länder ohne funktionierende Abfallwirtschaft: Die Natur und die lokale Bevölkerung im Globalen Süden dürfen nicht an der Überproduktion der Fast-Fashion-Konzerne leiden.
Unterzeichnen Sie jetzt unsere Petition und setzen Sie ein klares Zeichen gegen Fast Fashion und das schmutzige Geschäft mit unseren Kleiderspenden.
Jetzt Petition unterzeichnen!
Wir haben Altkleider mit GPS getrackt: Sie landen auf Müllbergen im Ausland – ein schmutziges System auf Kosten von Mensch und Natur. Schluss damit!
Petition unterzeichnenFAQ: Häufige Fragen zu Altkleidern
Nur ein kleiner Teil wird gespendet, vieles wird exportiert oder verbrannt. Häufig reisen die Kleidungsstücke Tausende Kilometer, bevor sie im Müll enden.
Am besten direkt an lokale Sozialprojekte, Secondhand-Läden oder Bekannte weitergeben. Auch Tauschpartys sind ein guter Ort, um für aussortierte Kleidung Abnehmer:innen zu finden. Oder Sie verkaufen Ihre Kleidung am Flohmarkt. Nutzen Sie Container nur, wenn klar ist, wohin die Spenden gehen.
Humana steht in der Kritik, weil nicht transparent ist, wie viele Spenden tatsächlich an Hilfsbedürftige gehen oder wo die abgegebenen Kleider landen. Alle vier Kleidungsstücke, die Greenpeace bei Sammelcontainern von Humana gespendet hat, reisten im Recherche-Zeitraum nach Spanien.
Nur ein kleiner Teil der von H&M gesammelten Kleidung wird recycelt, der Rest wird downgecycelt oder exportiert – oft in Länder ohne geeignete Entsorgungssysteme.