Greenpeace Altkleider-Tracking
Das Greenpeace-Investigativteam hat in 20 Kleidungsstücke je zwei GPS-Tracker eingenäht und an verschiedene Altkleiderfirmen gespendet. Die Karte zeigt, wo die gespendete Kleidung gelandet ist.
Das Fast-Fashion-Problem
Durch agressives Marketing von Kleidungskonzernen, wird immer mehr Bekleidung gekauft. Auch in Österreich: Laut der Konsumerhebung der Statistik Austria geben Haushalte pro Monat im Schnitt rund 136,50 Euro für Bekleidung und Schuhe aus. Österreicher:innen kaufen im Schnitt 62 Kleidungsstücke pro Jahr. Der Markt für Bekleidung umfasst in Österreich knappe 10 Milliarden Euro. Und die Zahl der gekauften Kleidungsstücke nimmt von Jahr zu Jahr zu.
Mit der Zunahme der Quantität nimmt die Qualität der Ware signifikant ab und Billigst-Onlinehändler wie Temu und Shein drängen auf den Markt. Das verstopft die Kleiderkästen und lässt die Zahl der Kleiderspenden explodieren.
Wohin mit der noch gut intakten Ware?
Österreichs Haushalte entsorgen den Großteil in Spendencontainern für Altkleider und Schuhe, bei Wertstoffsammelstellen, bringen sie zu Modehändlern zurück oder liefern sie direkt bei karitativen Einrichtungen ab. Ein kleinerer, nicht messbarer Teil wird im Bekanntenkreis verschenkt, online oder offline direkt weiterverkauft oder bei Kleidertauschpartys eingetauscht.
Doch was passiert nach der Spende mit den Altkleidern und Schuhen? Das Greenpeace-Investigativteam ist dieser Frage nachgegangen und hat im Juni 2024 20 Kleidungsstücke mit GPS-Trackern versehen und bei verschiedenen Anbietern gespendet, um die Wege der gespendeten Kleidung und Schuhe nachzuzeichnen.
Nur 3 von 20
Kleidungsstücken könnten von Menschen weitergenutzt worden sein.
11.300 Kilometer
legte ein Paar Stiefel zurück. Das Ende der Reise war in Pakistan.
7 Kleidungsstücke
landeten in Afrika (Elfenbeinküste, Tunesien, Kamerun).
Das Altkleider-Tracking-Projekt
Das Greenpeace-Investigativteam hat in 20 Kleidungsstücke je zwei GPS-Tracker eingenäht und an verschiedene Altkleiderfirmen gespendet. Die übermittelten Standort-Daten wurden zwischen Juni 2024 und März 2025 (Ende der Projektlaufzeit) verfolgt.
Gespendet wurde die Kleidung an zehn verschiedenen Standorten bei sechs großen Altkleiderfirmen:
- I:CO & Looper Textile Co.: Je zwei Stück in Filialen der Konzerne Mango (I:CO) und H&M (Looper Textile Co.).
- Texaid: Ein Stück per Paketversand und zwei Stück in Altkleidercontainer.
- Öpula: Zwei Stück in Spendencontainer des Roten Kreuzes und drei Stück in Spendencontainer von Kolping.
- FCC Textil2Use GmbH und Humana: Jeweils vier Stück in zwei verschiedene Container pro Firma.
Wo sind die eingeworfenen Altkleiderspenden gelandet?
Die gespendete Kleidung ist auf drei Kontinenten verteilt. Nur die Hälfte blieb in Europa:
In Österreich befinden sich nach wie vor zwei Stücke in St. Pölten. Allerdings wurden diese aus den Containern entwendet, sie kamen daher nie in den Altkleiderentsorgungskreislauf.
In anderen Ländern Europas blieben acht Stück: Vier Stück landeten in Spanien und je ein Stück in Polen, Ungarn, Deutschland sowie Italien.
In Afrika landeten sieben der 20 gespendeten Kleidungsstücke, also mehr als ein Drittel. Fünf Stück liegen in Tunesien, eines in der Elfenbeinküste und ein Stück landete in Kamerun.
Nach Asien gelangten drei Stücke: allesamt in die Stadt Karatschi in Pakistan.
Ergebnisse im Detail
Insgesamt legten die 20 Kleidungsstücke in einem Jahr knapp 81.000 Kilometer zurück – das entspricht zwei vollständigen Erdumkreisungen.
Die weiteste Strecke absolvierten die lilafarbenen Stiefel. Sie legten bis zu ihrem Zielort in Pakistan 11.300 Kilometer zurück. Eine schwarze Jacke landete ebenfalls in Pakistan und war 10.200 Kilometer unterwegs. Platz 3 ging an eine kurze weiße Hose, die in Kamerun landete und 9.700 Kilometer zurückgelegt hat.
Weitere Details zu den Wegen der einzelnen Kleidungsstücken, auch sortiert nach Unternehmen, bei dem die Stücke gespendet wurden, sind im Report aufgeschlüsselt.
Report herunterladenPetition: Stoppt den Altkleider-Wahnsinn!
Wir brauchen Veränderung. Nicht irgendwann. Nicht vielleicht. Sondern jetzt. Bitte unterzeichnen Sie die Petition und setzen Sie ein klares Zeichen gegen Fast Fashion und das schmutzige Geschäft mit unseren Kleiderspenden.
Petition unterzeichnenWie können Konsument:innen mit alten und beschädigten Kleidern sinnvoll umgehen?
- Reparieren: Der Besuch eines Repair-Cafés hilft doppelt: Kaputte Kleidung wird genäht und gleichzeitig lernt man selbst, wie es geht. Alternativ gibt es in Österreich ein dichtes Netz an Änderungsschneidereien oder Schustern, die professionell Kleider und Schuhe reparieren. Je länger ein Kleidungsstück genutzt wird, desto besser ist es für die Umwelt.
- Aus Alt mach Neu: Viele Kleidungsstücke, die nicht mehr passen oder gefallen, lassen sich in neue Klamotten oder Accessoires verwandeln. Zahlreiche Blogs fungieren als Ideengeber und warten auch mit Anleitungen auf. Es gibt auch spezialisierte Upcycling-Labels, die professionell einzigartige Lieblingsteile erstellen.
- Weitergabe von Altkleidern im Bekannten- und Familienkreis. Auch ein Verschenken oder Verkaufen auf Flohmärkten, Kleidertauschpartys oder diversen Online-Plattformen ist eine gute Option. Wenn diese Möglichkeiten ausscheiden, ist eine Spende an sozialwirtschaftliche und karitative Vereine und deren Secondhand-Shops möglich.
- Beim Einkauf lautet die Devise: weniger, höhere Qualität und bevorzugt fair produzierte Kleidungsstücke aus biologischen Materialien. Vor dem Kauf sollte geprüft werden, ob das neue Kleidungsstück wirklich gebraucht und regelmäßig getragen wird. Auf Kleidung mit chemischer Ausrüstung – erkennbar an Hinweisen wie „separat waschen“, „bügelfrei“ oder „knitterarm“ – sollte möglichst verzichtet werden. Weitere Tipps für einen umweltfreundlichen Einkauf bietet der Greenpeace Shopping Guide.