Palmöl: Gefahr für Mensch und Umwelt
Palmöl ist das am häufigsten genutzte Pflanzenöl der Welt. Kein Wunder, denn es ist nicht nur in zahlreichen Lebensmitteln, sondern auch in vielen Kosmetik-Artikeln und Reinigungsmitteln enthalten. Und das, obwohl die Produktion von Palmöl eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit ist: Regenwaldzerstörung und Artenverlust sind nur einige der dramatischen Folgen, die der Anbau mit sich bringt.
Was ist Palmöl?
Palmöl wird aus den bis zu 50 Kilogramm schweren Früchten der Ölpalme hergestellt. Aus den Kernen der Früchte wird Palmkernöl gewonnen. Zumeist werden die Öle raffiniert und anschließend etwa in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Palmöl weist für die Industrie vorteilhafte Eigenschaften auf: Es ist hitzebeständig, geschmacksneutral und lange haltbar. Es kommt daher in vielen Produkten wie etwa in Nuss-Cremes, Margarine, Tiefkühlpizza, Keksen und Schokolade zum Einsatz.
Durch verschiedene chemische Prozesse aufbereitetes Öl findet zudem in der Kerzenproduktion Anwendung und ist in Wasch- und Reinigungsmitteln sowie in Kosmetika enthalten.
Warum ist Palmöl schlecht?
Die Eigenschaften von Palmöl kommen den Konzernen sehr gelegen. Die Nachfrage ist weltweit so groß, dass das Öl in Massen produziert wird. Im globalen Durchschnitt steckt das Pflanzenöl in etwa jedem zweiten Produkt, das man im Supermarkt kaufen kann.
Konzerne gieren weltweit nach dem Öl, seine Produktion konzentriert sich aber auf wenige Regionen. Vor allem in Indonesien werden für riesige Palmöl-Plantagen wertvolle Regenwälder gerodet. Die Massenproduktion des Öls in ökologisch wertvollen Gebieten bringt viele Schattenseiten mit sich.
Regenwaldrodung für Palmöl
Der massenweise Anbau von Palmöl benötigt viel Platz. Folglich werden riesige Areale an Regenwald gerodet, vor allem in Indonesien. Bereits rund 16 Millionen Hektar, ein Drittel der Gesamtfläche des indonesischen Regenwaldes, wurden für Palmölplantagen zerstört – das entspricht fast der doppelten Fläche Österreichs!
Die rasante Zerstörung hat schwerwiegende Folgen, denn unsere Regenwälder sind die Heimat von mehr als der Hälfte aller bekannten Tier- und Pflanzenarten. Bereits bedrohte Arten, wie der Orang-Utan, verlieren durch Abholzungen nach und nach ihren Lebensraum und drohen auszusterben.
So steht etwa der Sumatra-Tiger kurz davor, für immer ausgelöscht zu werden: Bereits drei der neun Unterarten des kleinsten Tigers der Welt sind verschwunden. Insgesamt streifen nur noch etwa 400 Tiere durch den Wald. Das Raubtier braucht große Reviere, um ausreichend Beute zu finden. Wird ihr Lebensraum knapper, werden Tiere verdrängt und sterben!
Auch um den Sumatra-Elefanten müssen wir zittern. Die kleinen Elefanten leben im Familienbund und sind sehr sozial: Sie ziehen die Jungtiere gemeinsam auf und kümmern sich fürsorglich um kranke oder verletzte Mitglieder. Nur noch wenige Tausend der faszinierenden Dickhäuter sind auf ihrer Heimatinsel zu finden. Schrumpft der Regenwald weiter, wissen auch sie nicht mehr wohin.
Doch auch für uns Menschen ist der Verlust des Regenwaldes fatal. Denn neben seiner Bedeutung als Lebensraum erfüllt der Wald noch weitere wichtige Aufgaben: Seine Böden und Bäume sind riesige CO2-Speicher. Wird das Gas durch die Zerstörung freigesetzt, erhitzt es unsere Atmosphäre und beschleunigt die Klimakrise. Jeder einzelne Baum ist für eine sichere Zukunft schützenswert.
Obendrauf ist der Regenwald das Zuhause indigener Gruppen, die zum Teil schon seit Jahrtausenden dort leben und den Wald gesund halten. Auch sie dürfen ihre Heimat nicht verlieren.
Pestizide gefährden Arbeiterinnen
Auf Palmölplantagen kommen bedenkliche und in Europa verbotene Pflanzengifte zum Einsatz. Leidtragende sind vor allem die zahlreichen Arbeiterinnen auf den Plantagen. Eine überwältigende Mehrheit berichtet von teils heftigen Beschwerden nach der Arbeit mit den Pestiziden. Das Pestizid Paraquat soll sogar für zahlreiche Todesfälle mitverantwortlich sein.
Gesundheitliche Auswirkungen
Um unangenehme Geruchs- und Geschmacksstoffe zu entfernen, wird Pflanzenöl raffiniert, in Folge entstehen jedoch auch schädliche Fettsäureester, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Palmöl enthält einen besonders hohen Anteil an Schadstoffen, deutlich weniger enthält Kokosöl. Raps- und Sonnenblumenöl enthalten unbedenkliche Mengen.
Soziale Dimension
Die Arbeitsbedingungen, unter denen Palmöl hergestellt wird, sind kritikwürdig. Niedrige Löhne, der Einsatz von Pestiziden, Landraub und sogar Kinderarbeit scheinen die Regel zu sein. Bisher sind alle Bemühungen für eine funktionierende Sozial-Zertifizierung gescheitert.
Welche Alternativen für Palmöl gibt es?
Die Supermärkte sind voll mit Palmöl-Produkten, Nutella etwa ist ein sehr bekanntes Beispiel dafür. Doch auch in Kosmetika und Reinigungsmitteln lässt sich das Öl finden. Könnte die Lösung die Verwendung von zertifiziertem, nachhaltigem Palmöl sein?
Bisherige Bemühungen, nachhaltiges Palmöl zu zertifizieren, wie zum Beispiel vom Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), sind aus Sicht von Greenpeace kritisch zu betrachten. Bis 2019 wurden mehrere Millionen Hektar an Palmen auf geschützten Waldgebieten angebaut – und teilweise trotzdem als nachhaltig zertifiziert. Auch die ökologischen und sozialen Missstände sind also nach wie vor ein Problem.
Eine vertrauenswürdige Zertifizierung verlangt Kontrollen und eine konsequente Verfolgung von Verstößen. Das ist häufig nicht gewährleistet. Soweit möglich, sollten Hersteller deshalb auf Palmöl verzichten oder das Öl durch nachhaltigere Alternativen ersetzen. Im Fall vieler Brot- und Backwaren hat sich der generelle Verzicht auf Öl und Fett bereits gut bewährt.
Regionale und biologisch hergestellte pflanzliche Öle können eine gute Alternative zu Palmöl sein. In Österreich sind bereits zahlreiche Lebensmittelhersteller auf nachhaltigere Öle, wie etwa Sonnenblumen- und Rapsöl, umgestiegen. Auch österreichisches bzw. europäisches Sojaöl (z. B. aus dem Donau-Soja-Programm) ist ökologisch vorteilhaft. Sojaöl aus Übersee ist allerdings keine Alternative, da für seine Gewinnung ebenfalls große Urwaldgebiete abgeholzt werden.
Kein Palmöl ist auch keine Lösung?
Palmöl-Befürworter:innen argumentieren, dass die Ölpalme pro Hektar einen höheren Ertrag liefert als etwa Raps, Kokos oder Sonnenblumen. Die Produktion von Palmöl würde somit weniger Fläche verbrauchen. Palmöl zu ersetzen wäre demnach auch keine Lösung, sondern sogar potenziell schädlich.
Sie berechnen allerdings nicht mit ein, dass die Ölpalmen erst vier Jahre wachsen müssen, bevor sie geerntet werden können, und erst nach sieben Jahren Spitzenerträge liefern. Die Arbeiter:innen müssen die Früchte zudem per Hand absammeln, der Einsatz von Maschinen ist nicht möglich. Betreiber:innen von Palmöl-Plantagen sind bis zu 25 Jahre an den Rohstoff gebunden – das bringt heikle Abhängigkeiten mit sich und drückt den Preis.
Laut einer Studie der Rights-and-Resources-Initiative sind Ölsaaten wie Raps und Soja unterm Strich bis zu 15 Mal effizienter als Palmöl. Sie liefern vom ersten Jahr an hohe Erträge und ermöglichen einen einfachen Fruchtwechsel.
In Europa sind die Erträge von Raps sogar ähnlich hoch wie jene der Ölpalme. Ersetzt man Palmöl so gut es geht durch europäischen Raps, werden große Flächen an Regenwald in Indonesien verschont: Seltene Tiere wie der Sumatra-Tiger oder der Orang-Utan behalten ihr Zuhause.
Nein zu zerstörerischer Palmölproduktion!
Die massive Zerstörung des Regenwaldes für Palmöl muss sofort gestoppt werden. Die Greenpeace-Firefighter in den Regenwäldern Borneos setzen alles daran, die illegalen Brände einzudämmen, Tiere zu schützen und weitere Brandrodungen zu verhindern.
Doch der Kampf gegen die Palmölindustrie muss noch viel weiter gehen: Um Konzerne öffentlich unter Druck zu setzen, bringen wir Verbindungen zwischen Unternehmen und illegaler Entwaldung ans Licht und klären über dubiose Gütesiegel auf. Gleichzeitig fordern wir strengere Gesetze, um den Import von Palmöl aus umweltschädlichen Quellen zu stoppen – dabei brauchen wir Ihre Unterstützung!
Gemeinsam gegen Waldzerstörung
Als Konsument:innen können wir darauf achten, palmölfreie Produkte zu kaufen. Noch effektiver funktionieren starke Gesetze, die Regenwälder vor der Zerstörung durch profitgierige Konzerne bewahren. Das von der EU beschlossene Waldschutzgesetz ist ein erster guter Schritt. Helfen Sie mit, dass es kompromisslos umgesetzt wird:
Unterzeichnen Sie jetzt unsere Petition für ein starkes EU-Gesetz für globalen Waldschutz!
Jetzt Petition unterzeichnen!
Nestlé, Mondelez, Unilever und andere Konzerne zerstörhaben ihre Versprechen gebrochen. In den letzten zehn Jahren haben sie zugesichert, kein Palmöl aus Regenwaldzerstörung mehr zu verwenden. Und was ist passiert? Außer Gütesiegeln, die falsche Nachhaltigkeit vortäuschen, hat sich fast nichts geändert. Ihre Gier nach Profit scheint grenzenlos.
Petition unterzeichnenFAQ
Ölpalmen wachsen in tropischen Regionen. Die meisten Plantagen befinden sich in Indonesien und Malaysia. Aber auch Thailand, Kolumbien und Nigeria decken einen Teil der weltweiten Produktion.
Palmöl und Palmfett werden aus dem rötlichen Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen. Palmkernöl stammt aus den Kernen der Palmfrüchte und fällt bei der Gewinnung von Palmöl als Nebenprodukt an.
Nachdem das Öl aus den großen Fruchtständen der Ölpalme gewonnen wurde, wird es raffiniert und anschließend in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Durch verschiedene chemische Verfahren kann es für Kerzen, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetika genutzt werden.
Nein. Palmöl wird aus Ölpalmen gewonnen und Kokosöl aus Kokosnusspalmen – es handelt sich also um zwei verschiedene Pflanzenarten und folglich auch um zwei verschiedene Produkte. Achtung! Kokosöl ist keine wesentlich nachhaltigere Alternative und sollte daher nur in geringen Mengen eingesetzt werden.