Parks, Bäume, Wiesen: Landeshauptstädte im Satelliten-Check
Während die Temperaturen im Sommer von Jahr zu Jahr neue Rekorde brechen, bleiben viele Stadtzentren erschreckend grau. Beton und Asphalt heizen sich massiv auf und erzeugen gefährliche Hitzeinseln, die die Aufenthaltsqualität verschlechtern und die Gesundheit vieler Menschen belasten.
Die Lösung ist so einfach wie effektiv: mehr Grünflächen. Bäume, Büsche und Blühwiesen brechen Hitzeinseln auf, kühlen die Umgebung und schaffen Lebensraum für Menschen und Tiere. Wir haben uns angeschaut, wie grün Österreichs Landeshauptstädte wirklich sind – und wo dringend Handlungsbedarf besteht.
Wie wurde der Grünflächenanteil berechnet?
Mithilfe von Satellitendaten haben wir den Grünflächenanteil in den Stadtkernen aller neun Landeshauptstädte in Österreich berechnet und miteinander verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig: Bregenz hat mit einem Grünflächenanteil von 38,3 Prozent am meisten Grün im Stadtzentrum. Dahinter folgen Linz mit 33,4 Prozent und Graz mit 32,2 Prozent.
Wien, St. Pölten und Innsbruck landen auf den letzten Plätzen – hier besteht dringender Handlungsbedarf. Mit nur 25,0 Prozent bildet Innsbruck das Schlusslicht des Rankings. Und auch die Bundeshauptstadt enttäuscht mit lediglich 26,3 Prozent.
Besonders alarmierend ist ein Muster, das sich durch fast alle Städte zieht: Grün findet sich zwar vereinzelt in Innenhöfen oder an Stadträndern, aber genau dort, wo täglich tausende Menschen einkaufen, spazieren und ihre Zeit verbringen, bleibt es grau.
Was bedeutet das konkret für jede Stadt?
Bregenz punktet vor allem mit der baumreichen Seepromenade am Bodensee. Dennoch: In den Fußgängerzonen, besonders rund um den neu gestalteten Leutbühel, fehlen Bäume und Begrünung fast vollständig.
Linz profitiert von vielen begrünten Innenhöfen und sogar einzelnen Gründächern rund um den Bahnhof. Am Hauptplatz und in den umliegenden Fußgängerzonen bleibt jedoch dringender Nachholbedarf.
Graz hat mit dem Schlossberg, dem Volksgarten und dem Stadtpark verhältnismäßig große Grünzonen. Rund um den Hauptplatz und in Fußgängerzonen fehlt es aber an Bäumen und Schatten.
Salzburg überzeugt im neueren Stadtteil mit begrünten Innenhöfen und ersten Grünflächen. In der Altstadt rund um den Dom sowie im Bereich des Bahnhofs fehlen kühlende Bäume und grüne Flächen jedoch fast vollständig.
Klagenfurt verfügt am Rande des Zentrums über größere Grünflächen. In der Kernzone rund um den Neuen Platz dominieren jedoch graue Flächen: Hier fehlen Bäume und kühlendes Grün fast vollständig.
Eisenstadt profitiert im Zentrum vor allem von grünen Randflächen und Sportplätzen im Norden und Osten. Rund um das Rathaus und den Domplatz zeigt sich jedoch ein graues Bild: Hier mangelt es massiv an Bäumen und ökologisch wertvollem Grün.
Wien profitiert von großflächigen Grünzonen wie dem Prater, Stadtpark und Augarten. In den stark frequentierten Innenbezirken sowie auf Plätzen und in Fußgängerzonen besteht jedoch dringender Nachholbedarf an schattenspendenden Bäumen und Grünflächen.
St. Pölten verfügt zwar über mehrere kleine Parkanlagen im Stadtgebiet, weist im historischen Kern jedoch ein Defizit auf. Besonders rund um den Rathausplatz bleibt das Stadtbild weitgehend grau – es mangelt massiv an Begrünung und schattenspendenden Bäumen.
Innsbruck bildet das Schlusslicht, obwohl der Inn und der Hofgarten grüne Akzente setzen. In der historischen Altstadt und den Fußgängerzonen bleibt das Potenzial jedoch ungenutzt: Es fehlen öffentliche Grünflächen und auch die vielen Innenhöfe sind kaum begrünt.
Was sind Hitzeinseln und warum sind sie gefährlich?
In Stadtzentren voller Beton und Asphalt staut sich die Hitze. Diese sogenannten Hitzeinseln können die Temperaturen in Stadtkernen, mit ernsthaften Folgen für die menschliche Gesundheit, erhöhen: Herz-Kreislauf-Probleme, Schlafmangel, Erschöpfung. Ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen sind besonders gefährdet.
Bäume, Hecken und Grünflächen durchbrechen diese Hitzeinseln wirksam. Eine Studie zeigt, dass Grünflächen ohne Bäume im Schnitt eine Abkühlung von 5,5 Grad Celsius im Vergleich zu dicht verbauten Zonen bewirken können. Bei Grünflächen mit Bäumen sind es sogar elf Grad Celsius. Gleichzeitig wirken unversiegelte Böden bei Starkregen wie ein riesiger Schwamm: Sie saugen Wasser auf, speichern es für Trockenperioden und schützen so vor Überflutungen.
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat erst kürzlich bestätigt, dass sich Europa seit den 1980ern mehr als doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Mehr Grün ist deshalb keine Frage der Optik, sondern eine Überlebensstrategie.
Bürgermeister:innen müssen jetzt handeln
Wie die Greenpeace Analyse zeigt, sind besonders historische Stadtkerne, Hauptplätze und Fußgängerzonen die Orte, an denen im Sommer gefährliche Hitzeinseln entstehen. Das sind genau die Orte, wo täglich tausende Menschen einkaufen, spazieren und ihre Freizeit verbringen. Die Bürgermeister:innen der Landeshauptstädte müssen jetzt handeln: Asphalt und Beton müssen aufgebrochen, graue Plätze in grüne Oasen verwandelt werden.
Grünräume dürfen nicht als Einzelmaßnahmen gedacht werden, sondern müssen als vernetztes System im gesamten Stadtgebiet geplant und umgesetzt werden. Nur so bleiben unsere Städte in Zukunft lebendig, artenreich und lebenswert.
Was Greenpeace fordert
- Die Bürgermeister:innen der Landeshauptstädte müssen eine gezielte Entsiegelungs-Offensive starten: Asphalt und Beton in historischen Stadtkernen, auf Hauptplätzen und in Fußgängerzonen müssen systematisch aufgebrochen und durch Bäume, Parks und Blühflächen ersetzt werden. Begrünung muss als flächendeckendes, vernetztes System gedacht werden – nicht als Einzelmaßnahme.
- Die Bundesregierung muss klarstellen, dass Grünverluste lokal ausgeglichen werden müssen. Was in Wien an Bäumen verloren geht, darf nicht erst in Graz kompensiert werden. Die Renaturierungsverordnung muss für jedes Stadtgebiet individuell gelten. Rechentricks auf nationaler Ebene dürfen nicht zugelassen werden.
- Begrünungsprojekte, die gleichzeitig die Biodiversität erhöhen, der Klimaanpassung dienen, den Wasserhaushalt stärken und der Naherholung der Menschen zugutekommen, müssen absolute Priorität in der Stadtplanung erhalten und entsprechend finanziert werden.
Stadt und Natur sind kein Widerspruch – sie sind aufeinander angewiesen. Nur durch ein Netz aus Parks, Bäumen und Blühflächen bleiben unsere Städte in Zukunft lebendig, artenreich und lebenswert. Die Zeit zu handeln ist jetzt!
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