“Iconic Puffer” Jacken von C&A mit PFAS-Giften belastet
Wenn man in den letzten Wochen auf Social Media oder draußen unterwegs war, wurde man von allen Seiten mit der "Iconic Puffer" Jacke von C&A konfrontiert. Die Werbekampagne für diese besonders wasser- und windfeste Winterjacke des Bekleidungskonzerns war überall: in den großen Einkaufsstraßen, in Magazinen und auf den Kanälen vieler Influencer:innen auf Instagram und TikTok.
Wir haben elf Jacken der C&A-Kollektion „Iconic Puffer“ in einem unabhängigen Labor auf insgesamt 36 verschiedene PFAS untersuchen lassen. Das Ergebnis ist alarmierend: In neun der elf untersuchten Produkte wurden PFAS nachgewiesen, sogar in einer Kinderjacke. Drei Jacken überschritten dabei die geltenden EU-Grenzwerte, weshalb sie also in der EU nicht verkauft werden dürften.
Besonders kritisch sind die Ergebnisse einer Herrenjacke, bei der die PFAS-Konzentration um das 16-Fache des zulässigen Grenzwerts betrug. Auch zwei Damenjacken wiesen den 3,3-fachen bzw. 2,5-fachen des erlaubten Höchstwertes auf. Lediglich in zwei der untersuchten Jacken konnten keine PFAS nachgewiesen werden.
Was sind PFAS und was machen sie?
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind ein Liebling der Industrie. Der Begriff beschreibt eine Gruppe von über 10.000 verschiedenen Verbindungen. Sie wurden so entwickelt, dass sie besonders haltbar sind – sie widerstehen Wasser, Fett und Hitze und finden sich deshalb in vielen Alltagsprodukten.
Aber diese Eigenschaften sind auch ihr großes Problem. Nicht umsonst werden sie auch Ewigkeitsgifte oder Ewigkeitschemikalien genannt. Gelangen sie in die Umwelt, werden sie kaum abgebaut und reichern sich mit der Zeit in Böden, Gewässern, Lebewesen und im menschlichen Körper an. Viele PFAS sind für Mensch und Umwelt schädlich – einige haben hormonelle Wirkung oder beeinflussen das Immunsystem. Langkettige PFAS sind außerdem fortpflanzungsschädigend und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.
Welche PFAS-Gifte wurden im Labortest gefunden?
Insgesamt fand das Labor drei verschiedene PFAS-Verbindungen: die Fluortelomere 6:2-FTOH, 8:2-FTOH und 10:2-FTOH.
- 10:2-Fluortelomeralkohol (10:2-FTOH) und 8:2-Fluortelomeralkohol (8:2-FTOH) zählen zu den Verbindungen, die mit den langkettigen, perfluorierten Carbonsäuren (C9-C14 PFCA) verwandt sind. Diese langkettige PFCAs bauen sich in der Umwelt kaum ab und 8:2-Fluortelomeralkohol (8:2-FTOH) kann sogar zu krebserregenden PFOA werden. Deswegen sind in der EU die langkettigen PFCAs und verwandte Verbindungen seit 2023 mit einem Summengrenzwert von 0,26 mg/kg eingeschränkt. Dieser Summengrenzwert wurde in drei Jacken überschritten.
- 6:2-Fluortelomeralkohol (6:2-FTOH) ist eine kurzkettige PFAS-Verbindung, die zu PFHxA (Perfluorhexansäure) abgebaut werden kann. PFHxA ist langlebig und mobil, so dass es sich rasch in der Umwelt verteilen und Gewässer verunreinigen kann. Ab Oktober 2026 treten Beschränkungen in Kraft, bei denen ein Grenzwert von 1 mg/kg gelten wird. 6:2-FTOH wurde in zwei Jacken unterhalb des zukünftigen Grenzwerts nachgewiesen.
Fast Fashion und Chemikalien
Obwohl es bereits Grenzwerte und Verbote gibt, werden PFAS offenbar weiterhin verwendet, um Kleidung wasser- oder schmutzabweisend zu machen und die vorgeschriebenen Grenzwerte dabei teils erheblich überschritten. Der Nachweis in den untersuchten C&A-Jacken zeigt, dass auch stark beworbene "Must-have"-Produkte keineswegs frei von problematischen Stoffen sind.
Das macht deutlich, dass dringend strengere Regeln und unabhängige Kontrollen in der gesamten Modebranche beschlossen werden müssen.
C&A muss jetzt handeln
C&A ist in mehr als einem Dutzend europäischer Länder mit über 1300 Filialen und Online-Shops aktiv. Die „Iconic Puffer Jacket“ wurde europaweit als zentrales Saisonprodukt beworben und verkauft. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass eine große Zahl von Konsument:innen in mehreren Ländern betroffen sein könnte.
Um den Schutz der Konsument:innen sicherzustellen, braucht es eine rasche, transparente Information aller Käufer:innen und eine europaweite Rückrufaktion. Produktsicherheit darf nicht an nationalen Grenzen enden.
Was Greenpeace fordert
- C&A muss die betroffenen Produkte sofort zurückrufen, um Konsument:innen zu schützen. Dabei ist Eile geboten. Konsument:innen müssen die betroffenen Jacken auch ohne Kassenbeleg in jeder C&A-Filiale zurückgeben können und den gesamten Kaufpreis unkompliziert zurückerstattet bekommen.
- Wir fordern die zuständigen Behörden auf, die Testergebnisse rasch zu prüfen und sofort Maßnahmen zum Schutz der Konsument:innen zu setzen. Außerdem sollen die zuständigen Stellen unverzüglich andere europäische Behörden informieren und sich mit ihnen abstimmen, damit die betroffenen Produkte europaweit aus dem Handel genommen werden und Konsument:innen entsprechend informiert sind.
- Österreich muss ein starkes EU-Verbot von PFAS unterstützen: Die Bundesregierung soll sich dem Vorschlag von Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und Schweden anschließen und sich klar dafür einsetzen, dass das geplante EU-Verbot nicht abgeschwächt wird. Ausnahmen dürfen nicht zugelassen werden.
- Österreich muss eigene, verbindliche Regeln einführen: Unabhängig von der EU kann und soll Österreich – nach dem Vorbild von Frankreich und Dänemark – nationale Maßnahmen beschließen. Dazu gehören Verbote von PFAS in Kleidung und Schuhen, Lebensmittelverpackungen und Kosmetik sowie strengere Grenzwerte, etwa für Trinkwasser.
Die Ergebnisse im Detail
Die Testergebnisse im Detail und mehr Informationen finden Sie hier: https://act.gp/CA-Test-PFAS