Natur oder Beton: 80 österreichische Städte im Check
Beton, Asphalt und drückende Hitze: Wer im Sommer durch Österreichs Einkaufsstraßen, Flaniermeilen oder über historische Hauptplätze geht, merkt schnell, dass sich unsere urbanen Zentren immer öfter in unerträgliche Hitzeinseln verwandeln.
Beton und Asphalt heizen sich gnadenlos auf und lassen bei Starkregen dem Wasser keinen Platz zum Versickern. Doch wie gut sind Österreichs Städte tatsächlich gegen die Auswirkungen der Klimakrise und das fortschreitende Artensterben gerüstet?
Greenpeace hat den großen Satellitencheck gemacht: Mit Hilfe von präzisen Copernicus-Satellitendaten haben wir die Zentren von 80 österreichischen Städten ab 10.000 Einwohnenden analysiert. Das Ergebnis zeigt ein klares Gefälle. Aber auch echte Pioniere, die vormachen, wie die Stadt der Zukunft aussehen kann.
Wie grün sind Österreichs Städte?
Die gute Nachricht zuerst: Es gibt sie, die grünen Vorreiter in Österreich. Insgesamt 13 der 80 analysierten Städte knacken die wissenschaftlich empfohlene Marke von 45 Prozent Grünanteil im Stadtzentrum und sind damit wahre “NaturStadt-Pioniere”.
- Die Vorarlberger Gemeinde Lustenau führt das Ranking mit einem beeindruckenden Grünflächenanteil von 55,3 Prozent im Ortskern an.
- Die niederösterreichischen Gemeinden Bad Vöslau (54,5 %) und Ebreichsdorf (54,4 %) kommen dahinter.
- Klosterneuburg, Rankweil, Groß-Enzersdorf, Steyr, Tulln an der Donau, Wals-Siezenheim, Perchtoldsdorf, Hohenems, Gerasdorf bei Wien und Ansfelden (Haid) nehmen die restlichen Plätze in den Top 10 ein.
Dabei zeigt die Analyse eine klare Tendenz: Größere und dichter besiedelte Stadtzentren schneiden im Durchschnitt schlechter ab als kleinere Städte. Das liegt auch an strukturellen Vorteilen, die kleinere Städte gegenüber historisch stark gewachsenen Ballungsräumen – wie etwa den Landeshauptstädten – haben.
Dass eine vergleichsweise dichtere und größere Bevölkerung jedoch kein Ausschlusskriterium für Grün im Stadtzentrum ist, beweisen die positiven Beispiele in der Analyse: Auch größere, dichter bewohnte Zentren wie Steyr, Feldkirch oder Tulln an der Donau schneiden in der Analyse bereits vergleichsweise gut ab und zeigen, dass Natur und Stadt kein Gegensatz sein müssen.
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Grünflächenanteil in % |
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Fordern Sie jetzt mehr Grün!
Wir können aktiv mitgestalten, wie unsere Städte aussehen: Denn dass Städte voller Beton und Asphalt sind, ist kein unveränderliches Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen.
Mit unserem Online-Tool können Sie sich ganz einfach per E-Mail an die Stadt- und Landespolitik wenden und mehr Grünflächen in Ihrer Umgebung fordern.
Warum mehr Natur in Städten wichtig ist
Stadt und Natur werden oft als Gegensätze wahrgenommen, doch das Gegenteil ist der Fall: Mehr Natur in Städten ist die Voraussetzung dafür, dass sie auch in Zukunft lebenswerte Orte bleiben. Gibt es mehr Natur in der Stadt, wirkt sie positiv auf unterschiedlichen Ebenen.
Die natürliche Klimaanlage
Bäume und Hecken spenden nicht nur erfrischenden Schatten, sie verdunsten auch Wasser und senken die Umgebungstemperatur drastisch. Studien zeigen: Während reine Grünflächen ohne Bäume die Temperatur bereits um ca. 5,5 Grad senken, sorgt die Kombination mit schattenspendenden Bäumen und Hecken für eine Abkühlung von bis zu elf Grad im Vergleich zu dicht verbauten Betonwüsten[1].
Der Schwamm gegen Starkregen
Unversiegelte, bepflanzte Böden funktionieren nach dem „Schwammstadt-Prinzip“[2]. Sie saugen sintflutartige Regenfälle auf, entlasten die Kanalisation und schützen die Stadt vor verheerenden Überflutungen, während sie das Wasser für Trockenperioden speichern.
Grüne Lungen für die Gesundheit
Bäume reinigen die Luft, filtern Feinstaub und dämpfen den städtischen Verkehrslärm massiv. Gleichzeitig zeigt die Medizin, dass ein innerstädtischer Grünanteil von 35 bis 45 Prozent das Maximum für die psychische und mentale Gesundheit der Bewohner:innen herausholt[3].
Unsere Forderung: Die „NaturStadt-Garantie“
Wälder am Stadtrand, oder auch wenige Parks im Stadtgebiet allein reichen nicht aus, wenn sie isolierte Inseln bleiben. Wir müssen unsere Städte als zusammenhängendes, grünes Netzwerk denken – mit begrünten Fassaden, schattigen Baumalleen, Dachbegrünungen, Hecken und Blühwiesen. Nur so entstehen durchgehende Korridore, in denen auch Vögel und Insekten sicher wandern und leben können.
Um unsere Städte krisenfest zu machen, nimmt Greenpeace jetzt die lokale Politik in die Pflicht. Wir fordern die Bürgermeister:innen in Österreich auf, die „NaturStadt-Garantie“ zu unterzeichnen.
- Mehr Grün statt Grau(Netto-Positiv-Garantie): Für jeden neu versiegelten Quadratmeter Boden im Stadtgebiet muss mindestens ein Äquivalent Asphalt oder Beton im Stadtgebiet aufgebrochen oder anderweitig begrünt werden.
- Rechtliche Verankerung: Diese Ziele dürfen keine leeren Versprechen bleiben, sondern müssen als verbindliche Qualitätsziele in den Stadtplanungen verankert werden.