Greenpeace-Report: Öl-Industrie hat seit März EU-weit 36 Milliarden Euro Übergewinne erzielt, über eine Milliarde davon in Österreich
Umweltschutzorganisation fordert EU-weite Steuern für Öl- und Gaskonzerne sowie eine Ausweitung der österreichischen Übergewinnsteuer
Ein neuer Greenpeace-Report zeigt auf, wie Ölkonzerne in der EU seit Beginn des Krieges im Iran EU-weit mächtige Übergewinne einfahren: täglich wandern durchschnittlich satte 154,4 Millionen Euro an zusätzlichen Gewinnen aufgrund der explodierenden Spritpreise in die Kassen fossiler Konzerne. In Österreich allein sind es 4,4 Millionen Euro. Die Studie zeigt, dass die Preise an den Tankstellen weitaus stärker gestiegen sind als die zugrundeliegenden Rohölpreise. Greenpeace fordert von Finanzminister Marterbauer die Übergewinnsteuer zu erhöhen und auf das Tankstellengeschäft auszuweiten. Dieses Geld soll genutzt werden, um die Energiewende in Österreich voranzutreiben und klimafreundliche Mobilitätsangebote auszubauen.
Herwig Schuster, Verkehrsexperte bei Greenpeace in Österreich: „Während viele Menschen nicht mehr wissen, wie sie ihre Spritkosten bezahlen sollen, verdienen sich fossile Konzerne eine goldene Nase. Finanzminister Marterbauer muss dringend die österreichische Übergewinnsteuer erhöhen und auch auf das Tankstellengeschäft ausweiten. Zudem braucht es eine EU-weite und effiziente Besteuerung der Öl- und Gasindustrie. Es ist höchste Zeit, dass diese großen Klimaverschmutzer für den Schaden zahlen, den sie verursachen.”
Anstieg der Dieselpreise in Österreich über EU-Schnitt
In Österreich sind die Dieselpreise vor Steuern im Schnitt um 24,4 Cent pro Liter mehr angestiegen, als es durch die höheren Rohölpreise gerechtfertigt gewesen wäre. Das ist um 1,7 Cent mehr als im EU-Schnitt. Bei Benzin beträgt der zusätzliche Aufschlag 12,3 Cent pro Liter. Das ist immerhin ein Cent weniger als im EU-Schnitt. Mit diesen Aufschlägen hat sich der Profit der Ölbranche in Österreich von Anfang März bis 19. Oktober 2026 um 1,03 Milliarden Euro erhöht. Im Ranking aller EU-Länder mit den höchsten absoluten Übergewinnen liegt Österreich damit auf Platz 7, und somit vor einigen anderen Ländern mit höherer Einwohner:innenzahl wie die Niederlande, Schweden, Tschechien oder Portugal. In Österreich resultieren 84 Prozent der Übergewinne aus dem Verkauf von Diesel.
Greenpeace fordert höhere Besteuerung der Öl- und Gasindustrie
Zwar gibt es in Österreich eine Übergewinnsteuer in Form des sogenannten Energiekrisenbeitrags für fossile Energieträger, doch der hat zahlreiche Schlupflöcher. So werden Gewinne aus dem Tankstellengeschäft nicht berücksichtigt. Greenpeace fordert, dass der Energiekrisenbeitrag auf alle Gewinne aus dem Geschäft mit Öl und Gas ausgeweitet wird. Zudem schöpft der Energiekrisenbeitrag lediglich 50 Prozent der Übergewinne ab und erlaubt dabei umfangreiche Absetzbeträge. Die Umweltschutzorganisation fordert eine deutliche Erhöhung.
„Seit Kriegsbeginn im Iran im März hat die Ölbranche in Österreich über eine Milliarde Euro an Übergewinnen gemacht. Besteuert man alle Übergewinne konsequent mit 50 Prozent, ohne dass es Schlupflöcher für Konzerne gibt, könnte man mit den Erträgen 1,25 Millionen Menschen mit regionalen Klimatickets versorgen”, führt Schuster aus. „Es ist höchste Zeit, dass wir die Energieversorgung in Österreich unabhängig, sicher und damit letztlich leistbar machen. Das kann nur mit heimischen erneuerbaren Energien gelingen.”
Den vollständigen Report finden Sie hier: https://bit.ly/GP-Report-Ölkonzerne
Inhalte auf einen Blick:
- Thema/Anlass: Veröffentlichung des Greenpeace-Reports zu Übergewinnen der Ölbranche seit Beginn des Irankriegs
- Datenbasis/Ergebnis: 36 Milliarden Euro Übergewinne EU-weit (154,4 Mio. €/Tag), 1,03 Milliarden Euro in Österreich (4,4 Mio. €/Tag)
- Hauptforderung: Erhöhung und Ausweitung der österreichischen Übergewinnsteuer auf das Tankstellengeschäft sowie EU-weite Besteuerung
- Adressat: Finanzminister Marterbauer
- Quelle/Material: Greenpeace Österreich