Artensterben in Österreich
Aktuelle Lage, Ursachen & Maßnahmen
Von geschätzt mindestens neun Millionen Tier-und Pflanzenarten weltweit ist rund eine Million vom Aussterben bedroht. Seit 1970 sind die Bestände der Wildtierarten um rund 73 % gesunken. Das betrifft aber nicht nur die Tierarten im brennenden Regenwald – auch in Österreich geht es den Tieren schlecht!
- Insektensterben: Laut einer deutschen Langzeitstudie ist die Biomasse der Insekten in den letzten 30 Jahren um 75 % zurückgegangen. In Österreich ist die Situation ähnlich. Das Insektensterben ist katastrophal, weil damit die Nahrungsquelle für alle Tiere verloren geht, die von Insekten abhängig sind. Und auch für den Menschen ist der Verlust der Bestäuber eine Katastrophe. Denn viele Pflanzen brauchen Bestäubung, um Früchte ausbilden zu können. Gehen die Bienen, Hummeln und Wildbienen verloren, werden diese Früchte empfindlich teurer oder verschwinden ganz vom Markt. Ursachen sind Pestizideinsatz und Lebensraumverlust in eintönigen Monokulturen, teilweise auch die Klimaerhitzung.
- Vogelsterben: Schon rund die Hälfte aller österreichischen Vogelarten steht laut BirdLife auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Die Bestände der Feldlerche etwa haben von 1998 bis 2024 um 51 Prozent abgenommen und sinken weiter. Vögel wie die Blauracke sind so gut wie verschwunden. Ursachen sind vor allem das Insektensterben und Lebensraumverlust, da Wiesen oder Bäume als Brutplätze verschwinden.
- Kleintiersterben: Auch viele Kleinsäugetiere wie Hamster, Ziesel, Fledermausarten, Feldhasen, Bayrische Kurzohrmäuse, Igel und andere sind bedroht. Ursachen sind Insektensterben und Lebensraumverlust durch Monokulturen und Bodenversiegelung.
Ursachen für das Artensterben in Österreich
Die Ursachen für das Artensterben sind vielfach.
- Industrielle Landwirtschaft: Auf riesigen Monokulturen werden nur einzelne Sorten Feldfrüchte angebaut. Für die Vielfalt anderer Pflanzen ist daneben kein Platz mehr. Der Pestizideinsatz auf diesen Flächen tötet die Insekten, Herbizide vernichten viele Kräuter und Blumen. Bäume und Grünstreifen werden zur Ertragsmaximierung entfernt, so dass Brutstätten und Zufluchtsorte verloren gehen.
Die industrielle Landwirtschaft wird durch Fördersysteme wie die Gemeinsame Agrarpolitik der EU angetrieben, die nach Größe der Betriebe statt nach Qualität und ökologischen Folgen fördert. Außerdem sind Bäuerinnen und Bauern unter starkem Druck durch Anforderungen des Handels und durch internationale Konkurrenz (angetrieben von Handelspakten wie EU-Mercosur). Dadurch heißt es für sie oft Anpassen oder Untergehen. - Bodenversiegelung: In Österreich geht besonders viel Natur durch Bautätigkeiten verloren. Seit 1987 wurden pro Tag 16,6 Hektar Boden beansprucht, verbaut oder versiegelt – das entspricht knapp 23 Fußballfeldern. Unter Beton- oder Asphaltdecken ist das Leben erstickt. Zusätzlich kann Wasser kaum abfließen, auch die Filterfähigkeit des Bodens geht verloren und Hitzestaus entstehen. Ursachen dafür sind schlechte, oftmals wirtschaftsorientierte Raumplanung, eine nur aufs Auto ausgerichtete Verkehrspolitik und Inkonsequenz bei der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.
- Klimaerhitzung: Die Klimaerhitzung führt zu veränderten Wetterbedingungen in kurzer Zeit, an die Tiere sich nicht schnell anpassen können. Zum Beispiel fällt die Brutzeit des Schneesperlings inzwischen in eine Trockenzeit. Außerdem ist ein Teufelskreis losgegangen, denn artenarmer Boden kann weniger Kohlenstoff binden, so dass er selbst zum Klimawandel beiträgt, aber davon auch wieder betroffen ist. Ursachen für die Klimaerhitzung sind die Verbrennung von fossilen Treibstoffen wie Kohle, Gas und Öl, die industrielle Massentierhaltung und die Vernichtung von Kohlenstoffspeichern in Wäldern und Meeren durch Rodungen und Eingriffe ins Ökosystem, die die Fähigkeit zur Bindung von Kohlenstoff verringern.
Was können wir gegen das Artensterben tun?
Da die Ursachen für das Artensterben vielfach sind, sind auch die nötigen Maßnahmen vielseitig. Klar ist, dass die bisherigen Ansätze versagt haben: Politische Maßnahmen werden nicht umgesetzt, stattdessen stehen weltweit eher freiwillige Selbstverpflichtungen der Konzerne im Fokus, die kaum etwas bringen. Wir brauchen heute wirksame Gesetze und politische Maßnahmen, die tatsächlich implementiert werden.
Dazu gehört das Verbot von giftigen Pestiziden ebenso wie die Reform der Agrar-Subventionen der EU. Ein rasche und strenge Umsetzung des Waldschutzgesetzes sowie ein Lieferkettengesetz ohne Kompromisse für Konzerne können von Europa aus Waldzerstörung verhindern. Globale und monopolartige Gütezeichen-Systeme, mit denen Konzerne falsche Nachhaltigkeit vorgaukeln, können bewusst einkaufende Kund:innen dazu verleiten, mit gutem Gewissen schlechte Produkte zu kaufen, dürfen nicht Teil der Lösung sein. Und umfassender Klimaschutz ist auch für den Artenschutz entscheidend.
Entscheidende Maßnahmen für den Schutz der Arten werden bei der UN-Artenschutzkonferenz (Convention on Biological Diversity) beschlossen. Doch immer wieder torpedieren Lobbyisten die Verhandlungen für ein starkes globales Abkommen. Wir müssen Druck auf die Verhandler:innen machen, um Igel, Luchse, Wale, Eisbären und Jaguare und viele andere Tiere rechtzeitig zu retten!
Bitte helfen Sie mit, das Artensterben zu stoppen und Millionen von Tiere und Pflanzen zu schützen. Unterzeichnen Sie jetzt unsere Petition für ein starkes Artenschutzabkommen!
Jetzt Petition unterzeichnen!
Ja, ich will dass sich die Bundesregierung bei der nächsten UN-Artenschutzkonferenz für starken Artenschutz einsetzt.
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