Asbest-Hausreinigung: Anleitung zur sicheren Entfernung
In den letzten Monaten haben sich Hunderte Betroffene des Asbestskandals bei uns gemeldet. Viele von ihnen waren verunsichert und haben selbst Proben in unabhängige Labore geschickt. Sie testeten die Schotterstraßen und Baustellen vor ihren Häusern und nahmen Staubproben in ihren Wohnräumen und Autos.
Das klare Ergebnis: Wer eine Asbest-Schotterstraße oder eine Baustelle vor der Tür hat, trägt ein hohes Risiko, die krebserregenden Fasern auch im Haus zu haben. So wurden in Ungarn in Einfamilienhäusern in der Nähe von Asbest-Schotterstraßen Luftmessungen durchgeführt und deutlich mehr als 1.000 Fasern pro Kubikmeter nachgewiesen.
Wenn Sie selbst Proben nehmen wollen, müssen Sie unbedingt auf die richtige Schutzausrüstung und -maßnahmen achten. Hier finden Sie eine Liste mit unabhängigen Laboren, die Asbest untersuchen können. Bitte sprechen Sie sich auch vor der Probenahme mit dem ausgewählten Labor ab.
Wie gelangen Asbestfasern in Innenräume?
Asbestfasern gelangen meist über den Luftweg oder durch Schuhsohlen in die eigenen vier Wände. Bei Schuhen zeigen Erfahrungsberichte, dass ein Ausziehen vor der Tür bzw. ein Abwaschen der Sohlen hilfreich ist. Abstreifmatten und Schuhboxen können verhindern, dass Asbest-Steinchen in die Wohnung gelangen.
In den meisten Fällen ist die Quelle die asbesthaltige Schotterstraße vor der Tür, eine Baustelle, auf der Asbest-Schotter liegt oder ein unsachgemäßer Abriss eines vor 1990 errichteten Hauses, bei dem Asbest in den Dachziegeln bzw. Fassadenplatten verbaut wurde.
Ist die Quelle der Asbestfasern identifiziert, sollte sie möglichst entfernt oder zumindest vermieden werden. Die Fenster mit direktem Blick zu der Quelle sollten, vor allem bei Trockenheit, verschlossen bleiben. Liegt eine Asbest-Schotterstraße vor dem Haus, sollte über die Gebäuderückseite gelüftet werden. Als Faustregel gilt: Bei Regen und Nässe befinden sich weniger Fasern in der Luft – bei Trockenheit ist es umgekehrt.
Warum sind Asbestfasern in Innenräumen gefährlich?
Eine dauerhafte Belastung durch Asbestfasern birgt erhebliche Gesundheitsrisiken und kann zu Kehlkopfkrebs, Asbestose (Lungenfibrose), Lungenkrebs oder Mesotheliomen (Brust- bzw. Bauchfellkrebs) führen. In Regionen wie dem Burgenland, Niederösterreich, der Steiermark und Wien wurde in der Vergangenheit asbesthaltiger Schotter im Straßenbau und auf unbefestigten Wegen eingesetzt. Das Problem: Die aufgewirbelten Fasern gelangen in die Umgebungsluft und lagern sich als feiner Staub in Wohnräumen ab.
Doch was tun, wenn die krebserregenden Fasern in den eigenen vier Wänden sind? Greenpeace hat in Rücksprache mit Expert:innen und Betroffenen eine Anleitung erstellt, wie Sie Ihre eigenen vier Wände reinigen können.
Schritt 1: Die Einkaufsliste
- Einweg-Schutzanzug (Typ 5 in Baumärkten erhältlich)
- FFP3-Maske (in Baumärkten erhältlich)
- Einweg-Nitrilhandschuhe
- Schutzbrille
- Gummistiefel oder Einweg-Überzieher
- PE-Müllsäcke
- Gewebeband (Panzertape)
- Schwammtücher-Rolle (Wettex)
- Kübel mit Wasser und Spülmittel
Schritt 2: So legen sie die Schutzausrüstung richtig an
Nur wenn die Schutzkleidung bei der Asbestreinigung lückenlos und fachgerecht angelegt wird, schützt sie effektiv vor den unsichtbaren, krebserregenden Fasern und verhindert, dass gefährliche Partikel in die Atemwege gelangen oder verschleppt werden.
Um zu verhindern, dass die Schutzausrüstung beschädigt und undicht wird, legen Sie bitte Schmuck und Uhren ab. Außerdem sollten Sie unter dem Schutzanzug nur leichte, waschbare Kleidung tragen.
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Schritt 3: Vorbereitung
Isolieren Sie die asbestbelasteten Bereiche durch das Schließen von Türen und Fenstern. Idealerweise stellen Sie einen Luftreiniger (Anforderung an Filter: H13/14 oder HEPA) auf.
Schritt 4: Reinigungsvorgang (zwei Durchgänge)
- Schwammtücher (Wettex) und Waschwasser im Eimer vorbereiten.
- Arbeiten Sie sich Raum für Raum vor und halten Sie die Verbindungstüren geschlossen.
- Wischen Sie alle Flächen nass ab. Konzentrieren Sie sich besonders auf waagrechte Flächen, da sich Staub dort bevorzugt ablagert. Vergessen Sie selten gereinigte Stellen (wie Türrahmen-Oberkanten, Lampen und Fliesen) nicht.
- Schwammtücher häufig wechseln. Beim Wischen sorgsam vorgehen, um keine Fasern oder Staub in die Luft aufzuwirbeln.
- Nach Abschluss eines Durchgangs das Waschwasser im Eimer unbedingt in der Toilette entleeren (nicht im Waschbecken, weil dort die Fasern haften bleiben könnten).
- Die verwendeten Schwammtücher entweder gründlich im Wassereimer waschen oder in einem extra Müllsack entsorgen.
- Nach dem Trocknen der Flächen einen zweiten Durchgang starten und Prozedere wiederholen.
- Falls die Wohnung oder das Haus eine Wohnraumlüftung hat, die Filter tauschen oder reinigen.
Reinigung von Heimtextilien (Vorhänge, Teppiche, etc.), Polstermöbeln und Kleidung
Waschbare Textilien in der Waschmaschine mit einem extra Spülgang waschen. Andere Textilien wie Teppiche oder Sofas können mit einem Sicherheitssauger der Staubklasse H abgesaugt werden.
Schritt 5: Entsorgung und Dekontamination
- Tücher, Handschuhe und alle anderen kontaminierten Einweg-Gegenstände in einem PE-Müllsack entsorgen.
- Den Schutzanzug im Freien ausziehen. Beim Ausziehen die Arme bzw. Beine langsam aus dem Anzug ziehen und den Anzug dadurch umstülpen.
- Die FFP3-Maske erst ganz am Ende abnehmen, falls sich beim Ausziehen noch Fasern vom Anzug lösen sollten.
- Alles zusammen doppelt in Müllsäcke verpacken und bei der lokalen Müllsammelstelle (Mistplatz, Altstoffsammelzentrum) als Asbestabfall entsorgen.
- Abschließend Gesicht, Hände und Haare gründlich waschen.
Das Arbeiten in Vollschutz ist körperlich belastend. Planen Sie regelmäßig Pausen ein und arbeiten Sie niemals länger als zwei Stunden am Stück unter voller Schutzausrüstung.
Stoppt das Gift vor unserer Haustür!
Unterzeichnen Sie jetzt unsere Petition gegen die Asbest-Bedrohung: Fordern Sie eine rasche und sichere Entfernung von in Umlauf gebrachten Asbestmaterial und ein lückenloses Verbot von allen Asbest-haltigen Produkten.
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