Asbest-Skandal in Ostösterreich: Interaktive Karte und Zeitleiste
Greenpeace hat im Burgenland, der Steiermark und in Ungarn an mehreren Orten eine gefährlich hohe Asbestbelastung aufgedeckt – unter anderem vor der Klinik Oberwart, in einem Skatepark in Rechnitz und aktuell auf dem Hauptplatz im oststeirischen Neudau. Teilweise wurde bei den Proben in den Labortests eine Belastung von 20 bis zu 50 Prozent Asbest festgestellt.
Dabei gilt Material bereits mit mehr als 0,1 Prozent Asbestanteil als gefährlicher Abfall, der unter strengen Sicherheitsauflagen geborgen und in Asbestdeponien entsorgt werden muss.
Warum ist Asbest ein Problem?
Asbest ist für Mensch, Tier und Umwelt extrem gefährlich – und das schon in geringen Mengen. Asbestfasern sind winzig und scharf und können beim Einatmen in die Lunge eindringen, wo sie chronische Entzündungen und Vernarbungen verursachen und das Risiko für tödliche Krebsarten massiv erhöhen. Dabei treten die Krankheiten oft erst nach 15 bis 40 Jahren auf und gelten als kaum heilbar.
Darum ist Asbest in Österreich seit 1990 und in der gesamten EU seit 2005 verboten. Trotz der bekannten Gefahren wurde im Burgenland über Jahrzehnte teils stark asbesthaltiges Gestein (Serpentinit) in mehreren Steinbrüchen abgebaut. Das asbesthaltige Material wird unter anderem als Schotter, Bausand, Asphaltbeimischung und Streusplitt verwendet.
Auch wenn Asbest in Schotter oder Asphalt in gebundener, fester Form vorkommt, kann es für Menschen gefährlich werden. Besonders auf stark genutzten Flächen, wie z.B. Schotterstraßen oder Skateparks, können Fasern durch Abrieb in die Luft freigesetzt werden.
So erkennen Sie Asbest
Sie haben den Verdacht, dass sich auch in Ihrer Nähe asbestbelastetes Material befindet? Wir haben für Sie zusammengefasst, was Sie tun können.
Jetzt informierenIst jahrelange Ignoranz eine Gefahr für Menschen?
Über Jahrzehnte wurde in Steinbrüchen im Burgenland Serpentinit-Gestein abgebaut, das Asbest-Arten wie Chryosit und Amphibol enthält. Das Material wurde nicht nur an den von uns getesteten Stellen, sondern großflächig im Burgenland und angrenzenden Regionen verteilt.
Seit 2020 wurden pro Jahr zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Tonnen Serpentinit abgebaut. Geschätzt wurden somit seit 1990 knapp 50 Millionen Tonnen potentiell asbesthaltiges Gestein abgebaut. Um mögliche Gefahren für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten, müssen vor allem freie Asbestbrocken und Rollsplitt von sensiblen Zonen entfernt werden – wie beispielsweise vor Krankenhäusern oder Kindergärten. Ebenfalls muss erhoben werden, wo überall asbestbelastetes Gesteinsmaterial verwendet worden ist und der weiteren Einsatz von Asbest-Splitt gestoppt werden.
Was bisher im Asbest-Skandal passiert ist
13. Februar 2026
Greenpeace veröffentlicht weitere Laborergebnisse, die zeigen, dass auch im Nordburgenland und der Steiermark asbesthaltiges Material eingesetzt wurde. Bei sechs Proben aus Hartberg und Neudau (beide Bezirk Hartberg-Fürstenfeld) sowie Winden am See (Bezirk Neusiedl) und Breitenbrunn (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) wurden vom Labor Asbestwerte von mehrheitlich über 50 Prozent festgestellt.
Laborergebnisse ansehen10. Februar 2026
Greenpeace reicht eine Anfrage nach Umweltinformationsgesetz (UIG) ein, um die Veröffentlichung der Messergebnisse und der Methodik der Taskforce juristisch zu erwirken. Nur wenn die versprochene Transparenz eingehalten wird, können die Messergebnisse unabhängig überprüft werden.
08. Februar 2026
Greenpeace legt einen Aktionsplan gegen Asbestgefahren vor. Angesichts der alarmierenden Untersuchungsergebnisse appellieren wir an Länder und Gemeinden, belastetes Material umgehend zu entfernen.
Aktionsplan ansehen05. Februar 2026
Die burgenländische Taskforce “Vorsorgeabklärung Luftqualität” legt erste Ergebnisse vor. Die Messergebnisse und die Methodik wurden bisher nicht veröffentlicht. Selbst wenn an den bisher überprüften Orten laut Taskforce bisher nur eine geringe Asbestbelastung in der Luft festgestellt wurde, ist das keine generelle Entwarnung.. Die derzeit feuchte Witterungslage lässt keine verlässliche Risikobewertung zu. Wie auch das Land Burgenland selbst betont, müssen Messungen über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden, bei trockenen Witterungsbedingungen kombiniert mit entsprechender Simulation der maximal möglichen Beanspruchung der betroffenen Stellen.
29. Jänner 2026
Nach Hinweisen aus der burgenländischen Bevölkerung hat Greenpeace weitere Orte von einem unabhängigen Labor auf Asbest testen lassen. Auch diesmal enthielten die Proben teils über 50 Prozent des krebserregenden Materials. Die Proben stammen von einem Spielplatz der Fast-Food-Kette McDonald's in Oberpullendorf, dem Asfinag-Rastplatz Mogersdorf auf der S7, dem Businesspark Steinberg-Dörfl sowie einem Parkplatz im ungarischen Bozsok. McDonald's und die Asfinag haben umgehend reagiert. Die Fastfood-Kette lässt den Asbestschotter entfernen, die Asfinag hat den betroffenen Rastplatz gesperrt.
Laborergebnisse ansehen26. Jänner 2026
Das Land Burgenland richtet eine eigene Taskforce “Vorsorgeabklärung Luftqualität” ein. Ziel dieser Taskforce ist es, systematisch Luftmessungen über einen längeren Zeitraum durchzuführen.
23. Jänner 2026
Das Greenpeace-Investigativteam deckt im Südburgenland eine massive und großflächige Belastung mit krebserregenden Asbestfasern auf. An neun Stellen in Oberwart, Rechnitz und Neumarkt im Tauchental wurden Materialproben genommen und im Labor analysiert. Die Proben enthalten teils über 50 Prozent Asbest.
Laborergebnisse ansehen02. Jänner 2026
Vier Steinbrüche im Burgenland – Pilgersdorf, Bernstein, Rumpersdorf und Badersdorf – wurden auf hoher Asbestbelastung behördlich gesperrt. Das Material dieser Steinbrüche wird unter anderem im Bauwesen oder als Streusplitt im Winterdienst verwendet.
2008
Im Jahr 2008 erging ein Bescheid des Bundesministers für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz zur Rücknahme von 25 Kilogramm-Säcken asbesthaltigen Streu- und Pflastersplitts. Alle Säcke, die von 2006 bis 2008 verkauft wurden, mussten zurückgeholt werden. Der betroffene Streusplitt wurde im Steinbruch Rumpersdorf, einem der mittlerweile geschlossenen Steinbrüche, abgebaut.
2006
Eine geologische Studie beschreibt Asbestvorkommen in drei Serpentinit-Steinbrüchen im Burgenland. In den Steinbrüchen Bernstein, Rumpersdorf und Badersdorf erwähnt das Gutachten deutlich sichtbare Asbestfasern im Gestein.
1999
Der Verwaltungsgerichtshof hebt einen Bescheid des Landes Burgenlandes zur Bewilligung der Asphaltmischanlage Tauchental (nahe des Dorfes Neumarkt im Tauchental) auf. In der Begründung wird das eingesetzte Material als „asbesthaltig“ beschrieben. Ebenso wurden Gesteinsproben aus dem Steinbruch Rumpersdorf vorgelegt, die Chrysotil-Asbest (Weißasbest) enthalten.
1990
Asbest wird in Österreich gesetzlich verboten. Der Abbau in den Serpentinit-Steinbrüchen läuft jedoch unter dem Deckmantel der Gesteinsgewinnung weiter.
Was jetzt im Asbest-Skandal geschehen muss
Unternehmen wie die ASFINAG, McDonald’s und die ÖBB haben, nachdem sie von uns über die Asbestbelastung informiert wurden, sofort gehandelt und eine Entfernung des belasteten Materials veranlasst. Auch der NÖ Straßendienst setzt belastetes Material nicht mehr als Streusplit ein.
Wir fordern die burgenländische und steirische Landesregierung auf, auch schnell zu handeln. Um mögliche Gefahren für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten, müssen besonders freie Asbestbrocken und Rollsplitt von sensiblen Zonen entfernt werden. Ebenfalls muss erhoben werden, wo überall asbestbelastetes Gesteinsmaterial verwendet worden ist und der weitere Einsatz von Asbest-Splitt gestoppt werden.
Wir decken auf, was andere vertuschen – mit Ihrer Hilfe!
Gefährliche Stoffe wie Asbest vergiften Menschen, Tiere und unsere Natur. Deshalb prüft unser Investigativ-Team sorgfältig jeden Hinweis aus der Bevölkerung, nimmt Proben und deckt Bedrohungen im Labor auf. Bitte helfen Sie uns, weitere Giftskandale in Österreich ans Licht zu bringen: Unterstützen Sie unseren Einsatz gegen Asbest und andere Gifte noch heute mit einer Spende!